Wer verführt Dich zum Essen? Wer ist eigentlich die Stimme, die da sagt: “Ach, jetzt ist es ok. Iss das. Morgen kannst Du mehr Sport machen”. Oder “ich habe HUUNGER!” Wer spricht da und kann man diese Stimme überhaupt ignorieren?

Die Antwort finden wir im Aufbau unseres Gehirns! Die verschiedenen Bereiche stammen aus verschiedenen Evolutionsstufen. Entstanden ist so ein Gehirn, dass eigentlich drei verschiedene Gehirne unter einem Dach ist. Sie arbeiten natürlich zusammen, oft genug übernimmt aber auch eins der drei Gehirne das Kommando.

Reptiliengehirn

Bist Du schon mal in Panik geraten? Da hatte das “Reptiliengehirn”, unser Stammhirn, in Dir das Sagen. Der Name wird gern genutzt, weil das Gehirn der  Reptilien vor allem aus diesen Bereichen besteht.

Säugetier-Gehirn

Hast Du Dir schon mal schmerzliche Sorgen gemacht, weil jemand Dich übergangen hat? Das war Dein limbisches System. Der Bereich, der bei den Säugetieren besonders ausgeprägt ist.

Gehirnaufbau wissenschaftlich

Unser Gehirn besteht aus verschiedenen Teilen, die sich in der Evolution zum Menschen in verschiedenen Zeiten entwickelt haben und deshalb verschiedene Aufgaben übernehmen.

  • Stammhirn Atmen, Herzschlag, Homöostase, Kampf, Flucht, Starre etc.
  • Kleinhirn Bewegung, Gleichgewicht, Koordination etc.
  • Limbisches System Gedächtnis, Erkennen, Speichern und Wiederabrufen von Gefühlen etc.
  • Großhirnrinde höhere kognitive Fähigkeiten, Sinneseindrücke, Orientierung etc.
  • Präfrontaler Cortex Emotionales Erleben, Entscheidungsfindung, Charakter, Selbstregulation etc.

Stammhirn

Der älteste Teil unseres Gehirns ist das Stammhirn. Es ist für Instinkt und Überleben zuständig, steuert Atmung, Verdauung und so weiter. Es wird häufig als Reptiliengehirn bezeichnet, weil bei Reptilien diese Gehirnbereiche das Gehirn ausmachen. Wenn Du Dich panisch fühlst oder du Kampf, Flucht oder Starre an Dir bemerkst, steckt Dein Reptiliengehirn dahinter!

Vorderhirn

Danach entwickelte sich das Vorderhirn besonders stark heraus. So wird das Gehirn der Säugetiere durch das limbische System geprägt. Das limbische System steht für Soziales wie z.B. sich liebevoll um den Nachwuchs zu kümmern. Man könnte sagen, dass bei den Säugetieren dieser Gehirnbereich an das Stammhirn angebaut wurde. Das Tier hat demnach zwei Gehirne: Ein Stammhirn, dass sich verhält wie ein Reptil und ein limbisches System, das sich sozial verhält.

Großhirn

In der Entwicklung zum Menschen entwickelte sich dann zusätzlich das Großhirn weiter. Wir Menschen haben dort eine viel größere Masse an Nervenzellen. Für unsere Sicht auf das emotionale Essen besonders interessant ist dabei der Präfrontale Cortex (PFC), der die Fähigkeit hat die anderen beiden Gehirne (das Säugetiergehirn und das Reptiliengehirn) zu lenken.

Menschliches Gehirn

Hast du Dich schon mal selbstsicher und aufgefangen gefühlt? Du konntest spüren, dass Du in die von Dir bestimmte Richtung unterwegs warst? Deine Handlungen waren selbstbestimmt und sinnhaft? Ein gutes Gefühl, dass dem “menschlichen Teil” unseres Gehirns zuzuordnen ist.

Die Aufteilung ist natürlich nur sehr grob. Alle Bereiche spielen zusammen. Wir haben ein soziales Gehirn, dass Gefühle zur Steuerung benutzt.

Dr. Susan Peirce von “Abnehmen mit Köpfchen” [Werbelink: Amazon] hat es so erklärt: alle Gehirnteile sprechen zu Dir mit DEINER Stimme. Du denkst, Du hörst eine vernünftige (rationale) Stimme, aber es ist Dein Stammhirn, Dein “Reptil” das Dir sagt, dass Hunger jetzt Dein wichtigstes Problem ist.

Ein kleines Experiment

Sie hat ein Experiment vorgeschlagen: schwör Dir einfach mal ganz fest, ab jetzt nicht mehr zu atmen. Jetzt sofort. Wie klang Deine innere Stimme? Das war das Stammhirn, was da gesprochen hat. Würdest Du die Stimme von den anderen unterscheiden können?

Welches Gehirn spricht denn da?

Für mich stellt sich jetzt die Frage: wie sehr können wir der Stimme in unserem Kopf vertrauen, wenn da ein Reptil zu uns spricht? Können wir ihm alles glauben? Ist es sinnvoll, alles zu tun, was das Reptil vorschlägt?

Was ist, wenn das Reptil Angst vor einem Vortrag hat, den Du halten willst. Oder wenn Du Dir nachts im Bett schreckliche Dinge vorstellst, die passieren könnten und Dein Reptil von den Bildern echte Angst bekommt?

Wie gehst Du mit Deinem Reptilien-Gehirn um?

Ich denke, dass es wichtig ist zu lernen das Reptil in unserem Kopf zu erkennen. Auch ihm zu geben was es benötigt, aber immer mit dem rationalen Verstand zu überprüfen, welcher Art unsere Wünsche in diesem Moment sind.


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